Sonntag, 4. Dezember 2011

Mein Leben - Kurzgeschichte

Mein Leben

Ich rannte und rannte. Einfach weg. Ohne ein Ziel lief ich einfach immer weiter. Ich fühlte mich so schrecklich alleine. Einsam. Verlassen. Die wichtigste Person in meinem Leben war plötzlich nicht mehr da. Er war gestorben. Mein Großvater. Still und leise verschwunden. Meine Eltern interessierten sich nie für mich, bei meinem Opa bin ich aufgewachsen. Nur er hatte mir das wichtigste Gefühl im Leben gegeben. Liebe. Niemand sonst hatte das jemals geschafft. Er war der einzige Mensch, der mich noch nie enttäuscht hatte, der immer zu mir stand. Ausgerechnet er. Warum? Tränen liefen mir über die Wangen. Ich ließ mich in den Schnee fallen. Kälte überkam mich. Ergriff Besitz von mir. Das gefrorene Eis schmolz langsam unter meiner Körperwäreme. Tränenbäche rannen über mein Gesicht. Meine Kleider waren klatschnass. Schnee. Tränen. Schweiß. Trotz der eiskalten Luft war ich vollkommen verschwitzt und doch zitterte ich. Vor Trauer. Vor Enttäuschung. Ich war enttäuscht von Gott. Bisher hatte ich an ihn geglaubt, doch warum nahm er mir meinen Großvater? Es gab so viele Menschen auf der Welt. Wieso er? Wahrscheinlich gab es wohl doch keinen Gott. Er war nicht da gewesen, als mein Opa ihn gebraucht hatte- Welchen Grund hätte er haben sollen, ihn zu sich zu holen? Keinen!
Ich stand auf und lief weiter. Mein Herz pochte laut, schlug hart gegen meine Brust. Einfach ignorieren. Nicht darauf achten. Um mich herum war es eigenartig still. Kein Wind. Kein Rascheln zwischen den Sträuchern. Keine Spaziergänger, hier im Wald. Kein bellender Hund. Als würde die ganze Welt stillstehen. Mit mir zusammen trauern, verzweifeln. Wie oft in meinem Leben war ich enttäuscht worden? Wie oft musste ich neu anfangen, war am Boden zerstört? Doch dieses Mal war es anders. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Ein Schlag vor’s Gesicht. Diese Welt war so schlecht. Ich konnte hier nicht länger leben. Das Leben war zu hart zu mir. Ich war nicht stark genug, um das zu überstehen, was mir das Schicksal so oft brachte. Niemand sorgte sich noch um mich. Ich wollte mein Leben beenden. Rannte so schnell ich noch konnte mit meinen eingefrorenen Muskeln aus dem Wald heraus an meinen Lieblingsplatz. Hier war ich immer mit Opa zusammen hergekommen. Stundenlang saßen wir auf der alten Holzband am Ufer und redeten. Das war vorbei. An diesem See waren all die wichtigen Dinge in meinem Leben geschehen, die mich geprägt hatten. Und auch die letzten Minuten hatte ich nun hier verbracht. Der See war zugefroren, doch die Eisschicht war noch so dünn, dass sie sofort zerbrach. Das erinnerte mich an meine Seele. Meinen Panzer. Immer wieder riss meine Seele entzwei, und genau dann, wenn sie gerade zugewachsen war, kam jemand anderes und verwundete sie an einer anderen Stelle. Mein ganzes Leben ging das schon so. Bald würde es vorbei sein. Ich liebe dich, Großvater, dachte ich, sprang kopfüber in’s Wasser, sog die eisige Flüssigkeit tief ein und verlor das Bewusstsein.

Kommentare:

  1. :O
    Oh mein Gott...toll!*_*

    und klar mache ich bei der Aktion mit! ;)) Isola ist super! <33

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  2. Immer gerne! ♥ Die ist total schöön!! (kurzgeschichte)

    Achja, willst du vllt mitmachen? : http://bloggerjahr.blogspot.com

    hdl♥

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  3. Cool!
    gut dass du mitmachst...je mehr Leser desto mehr Leute die die Vorstellungen lesen --> desto mehr neue Leser für die vorgestellten Blogs>! :))

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  4. O Gott Binzi ... Genial, wunderschön ... Ich weiß nicht, was ich sagen soll!!! Du weißt, was ich denke, nicht wahr? <333

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  5. Wow!! <3 <3 Die Geschichte ist so wunderschön!!!
    Ich kann das jetzt gar nicht in Worte fassen! <3

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  6. Ich mag die Geschichte...!!
    Stellst du sie für http://soul-of-the-twilight.blogspot.com/

    zur Verfügung?? :)
    LG<3
    Liss:)

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